DAS SCHLOSS
Palluau-Sur-Indre ist ein bezaubernder mittelalterlicher
Marktflecken, der von der beeindruckenden Silhouette seines Schlosses aus dem
11. Jahrhundert beherrscht wird, die bereits zwischen Châteauroux und Tours von
der D 943 aus zu sehen ist.
Das Schloss
Das
Schloss, das über dem Tal und den alten Römerstraßen thront, die sich in
Estrées-St Genou kreuzen, war mehr als 300 Jahre lang einer der umkämpftesten
Orte des Königreichs Aquitanien.
Nach
den Kelten besetzten die Römer die Gegend. Auf sie wird auch der Ursprung des
Ortsnamens Palluau zurückgeführt. Er könnte von dem lateinisch „Palludelum“ -
von den Winden gepeitschter Fels - kommen. Als wahrscheinlicher gilt jedoch die
Ableitung von „Paludellus“, der kleine Sumpf.
Das
Schloss wurde auf einer felsigen Erhebung erbaut und liegt am Rand eines
schönen 12 Hektar großen Parks. Ursprünglich stand hier eine Festung, die wie
alle „munitionis“, wie die befestigten Schanzen dieser Epoche genannt wurden,
aus Holz gebaut war. 873 plünderten und zerstörten die Normannen die Abtei von
St. Genou und hielten den Landstrich 35 Jahre lang besetzt. Ihnen folgten die
Ungarn, bis sie 935 vom Herrn von Déols vertrieben wurden.
Die
erste aus Stein gebaute Burg, eine quadratische Festung mit massiven Ecktürmen
(von denen heute nur noch drei vorhanden sind), wurde 1073 durch Foulques le
Réchin (Fulko der Zänker), Graf von Anjou, errichtet und an Jean de Palluau,
einen Vasallen und Adligen seines Hofstaates vergeben.
1152
besetzte Richard Löwenherz die Burg. 1188 wurde sie durch Philipp II.
zurückerobert. Während des Hundertjährigen Krieges wurde Palluau durch den
Schwarzen Prinzen, den Sohn Edwards III, eingenommen und teilweise geschliffen.
Erst Du Guesclin, der die damalige Provinz Le Berry zurückeroberte, konnte den
Ort den Engländern wieder entreißen.
Nach
1500 wurde das Schloss durch die Familie Tranchelion umgebaut. Die beiden
romanischen Gebäude wurden durch ein prächtiges Gebäudeensemble ersetzt.
Während der Religionskriege wurde das Schloss 1562 durch den Protestanten Montgomery
erstürmt und in Brand gesetzt, 1584 dann von der katholischen Liga
zurückerobert. Damals wurde der Ort völlig zerstört und sollte nie wieder die
Bedeutung erlangen, zu der ihm seine Herren im Mittelalter verholfen hatten.
1606
erwarb Antoine de Buade de Frontenac das Schloss. Sein Enkel, Louis de Buade de
Frontenac (1620-1698), sollte deutliche Spuren in der Geschichte Quebecs
hinterlassen, denn er wurde 1872 von Ludwig XIV. zum Gouverneur und
Generalleutnant von Neu-Frankreich (Kanada) ernannt. Er blieb dort bis 1682.
1689 holte ihn der König erneut in seine Dienste. Frontenac blieb dann in
Quebec bis zu seinem Tod 1698.
Seine
Gemahlin, Anne de la Grange Trianon, die er 1648 heimlich geheiratet hatte, war
ihm nicht nach Kanada gefolgt. Sie weilte oft im Château de l’Isle Savary (in
Clion-sur-Indre), wo sie ihren Sohn François-Louis zur Welt brachte, der im
Alter von 21 Jahren den Tod auf dem Schlachtfeld fand.
Louis
de Buade de Frontenac wurde nach Quebec von Jean-Baptiste Louis Franquelin
begleitet, der 1650 in Villebernin, einem Weiler in der Nähe von
Palluau-sur-Indre geboren worden war. Nach brillanten Studien am Seminar in
Quebec widmete er sich der Hydrografie und der Kartografie Neufrankreichs.
1700
wurde eine angesehene Persönlichkeit Eigentümer von Palluau: Paul de
Beauvillier, Pair von Frankreich, Grande von Spanien, Herzog von St. Aignan und
Graf von Buzançais. Nach seinem Tod 1714 ging das Anwesen an seinen Sohn
Hippolyte über, der die Domäne 1770 François de Montbel überließ.
1796
erschütterte eine royalistische Erhebung die Gegend. Sie wurde unter dem Namen
„Vendée de Palluau“ bekannt und fand am 15. März an der „Montée Rouge“, einem
Ort bei Buzançais, ein tragisches Ende: Die Aufständischen wurden vernichtend
geschlagen und ließen auf dem Schlachtfeld mehr als sechzig Tote und zahlreiche
Verletzte zurück.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg stand das Schloss zum Verkauf und wechselte mehrfach den
Besitzer. Erst vor Kurzem wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen,
doch ist es gegenwärtig nicht für Besucher geöffnet. Bitte informieren Sie sich
diesbezüglich beim Fremdenverkehrsamt.






